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Raabeblog: Phantastische Tierwesen-Grindelwalds Verbrechen, der flachere Übergangsteil?

Nach zwei Jahren spannungsvollen Wartens war es am 15.11. endlich soweit: Die Fortsetzung des ersten Films der Reihe „Phantastische Tierwesen“ kam in die deutschen Kinos. Wir haben den Film natürlich gesehen und präsentieren euch jetzt unsere Meinung zu verschiedenen Teilen des Films.

Achtung Spoiler!!!

Die Handlung war zum Teil etwas verworren, durch viele Plottwists, die z. T. etwas herbeigezogen wirkten. Dazu gehört natürlich vor allem das Ende: Warum sollte Credence ein Dumbledore sein? Das passt zeitlich überhaupt nicht. Man kann nur hoffen, dass J. K. Rowling dafür eine gute Erklärung findet oder Grindelwald lügt. Ebenfalls total unpassend ist die Tatsache, dass Professor McGonagall 1927 in Hogwarts auftaucht, obwohl sie eigentlich erst 1935 geboren wird. Auch das wird hoffentlich noch zur Genüge aufgeklärt. Im Zusammenhang damit steht noch Dumbledores Stelle als Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, obwohl er ja eigentlich (statt McGonagall) Verwandlung unterrichtet haben soll.

Gut gelöst wurde aber, meiner Meinung nach, warum Dumbledore nichts gegen Grindelwald unternehmen kann. Der Blutpakt ist schlüssig und passt zu den beiden Charakteren. Meine Theorie ist auch, dass Grindelwald am Ende Credence über dessen Herkunft anlügt, aber den Phönix kontrollieren kann, weil er Dumbledores Blut in sich trägt. Zumindest hoffe ich, dass es eine Lüge war, denn ansonsten würde ich es echt blöd finden, wenn J. K. Rowling einfach so wichtige Sachen am Kanon verändert oder hinzufügt.

Störend fand ich vor allem, dass zu wenig Zeit für die Tiefe der Charaktere eingebaut wurde. Es gab viele Unbedeutende, die nur ein bisschen vorgestellt wurden, anstatt dass man sie dann aber weiter in den Film einbaut, wurde nur Zeit verschwendet. Diese Zeit hätte man nutzen können, um die Entwicklung anderer Charaktere darzustellen. Ein Beispiel dafür wäre Tina, über die man eigentlich nur Dinge erfahren hat, die man schon wusste. Außerdem gibt es nichts über das Kennenlernen von Credence und Nagini, sowie das von Theseus und Leta. Vor allem über Nagini und Theseus hätte man auch mehr Informationen bekommen sollen, hoffentlich geschieht das noch in den folgenden Filmen.

Einige Kritiken führen in diesem Zusammenhang auch Queenie an, bei der man nicht verstehen würde, warum sie sich auf Grindelwalds Seite schlägt. Das fand ich aber nachvollziehbar, denn Grindelwald kann sehr überzeugend sein, und Queenie hatte große Probleme damit, dass sie und Jacob ihre Beziehung nicht zeigen dürfen. Sie erhofft sich also, sobald die Zauberer frei leben dürfen, ein glückliches Leben mit Jacob, auch wenn das unter Grindelwald natürlich nicht der Realität entsprechen würde. Sie glaubt aber, bei ihm die einzige Chance dafür zu haben.

Was aber ebenfalls enttäuschend und auffällig ist, ist das Fehlen von wichtigen weiblichen Charakteren. Jetzt werden alle aufschreien – aber wartet kurz ab. Alle weiblichen Rollen spielen in diesem Teil keine wichtige Rolle, von Leta als einzige abgesehen. Queenie wird zum dummen Blondchen, Tina kann nicht eine Sache alleine regeln. Die Aurorin benötigt ständig Newts Hilfe was doch etwas unrealistisch scheint, wenn man daran denkt, dass Tina eben Aurorin ist. Nagini die eigentlich potenzial für eine wichtige weibliche Hauptrolle lieferte, wirkt gebrochen (passt zwar, aber schade) und versteckt sich hinter Credence. Alles in allem sind die weiblichen Rollen in diesem Teil unwichtig und eigentlich nur dazu da, gerettet zu werden. Leta ist die einzige, die eine vernünftige Geschichte vorzuweisen hat, aber das dann nur, um unnötigerweise zu sterben. Dass sie unter ihren Seidenkleidern keinen BH trägt, unterstützt weniger das Bild der selbstbewussten jungen Frau, sondern mehr das des Objektes der Begierde.

Die Story mal beiseite gelassen, ist das Schauspiel größtenteils zu loben. Eddie Redmayne (Newt Scamender) scheint sich im ersten Teil mit seiner Rolle vertraut gemacht zu haben und den liebenswerten, niedlichen etwas unschuldigen Außenseiter nimmt man ihm wunderbar ab. Er ist jemand, in den sich jeder hineinversetzen kann und einfach nur zum Niederknien süß. Er wird mit Liebe und Glaubhaftigkeit verkörpert und dem Protagonisten der Reihe wird von Redmayne Leben eingehaucht. Wer mich ebenfalls überzeugte ist Jude Law – unser bekannter Professor Dumbledore. Albus ist in Phantastische Tierwesen die etwas geheimnisvolle aber weise Vaterfigur wie auch in Harry Potter. Dieses glitzern in seinen Augen verrät seine schelmische Seite und jeder versteht, wieso sich Grindelwald diesen einzigartigen Zauberer als seinen Partner auswählte. Jude Law ist die perfekte Besetzung und verkörpert die richtige Mischung aus Charme, Intelligenz und Autorität, auf die ich für Dumbledore hoffte.

Alle bereits bekannten anderen Charaktere sind ebenfalls gut gespielt, es gibt aber aufgrund der wenigen Veränderungen für sie nicht viel Neues zu sagen. Einzig Nagini hätte ich mir anders vorgestellt. Als ich las, was sie für eine Person sein würde, bin ich fast von meinem Sessel gefallen. Ich hatte mir eine geheimnisvolle, listige aber auch charismatische Frau vorgestellt, stattdessen bekam ich eine zurückhaltende, eher flache Persönlichkeit. Sicher lag das auch an der Weise, wie sie geschrieben ist, aber ich hatte gehofft, Claudia Kim würde ihr etwas mehr Pfeffer verleihen.

Zuletzt muss ich natürlich noch einmal Johnny Depp erwähnen, der eine anständige Arbeit leistet. Grindelwald ist ganz klar der Bösewicht, der er seien soll und ebenso gerissen. Ich meine, die Kutscheszene am Anfang war mehr als überzeugend und hat mich neugierig gemacht. Wurde dann aber ein bisschen enttäuscht – ich hatte mir gerade am Ende bei der großen Versammlung etwas weniger Dramatik und mehr intrigantes Charisma gewünscht. Mehr die Art Mann, in die sich Albus Dumbledore verlieben würde.

Da die ganze Geschichte ja im Harry Potter-Universum spielt, ist hier der Zeitpunkt, um einige Zusammenhänge zu erläutern. Einer der größten ist natürlich die Beziehung von Dumbledore und Grindelwald. In Harry Potter erfahren wir, dass die beiden in ihrer Jugend zusammen arbeiteten, um einmal große Zauberer zu werden. Sie waren enge Freunde und J.K. Rowling bestätigtet in einem Interview, dass da sogar noch mehr zwischen ihnen passierte. Etwas schade, dass diese Liebesbeziehung nicht weiter erläutert wird, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Der Blutpakt ist ja schonmal ein Hinweis auf die innige Beziehung dieser beiden.

Ein weiterer, wenigstens durch den Namen bekannter Zauberer, ist Nicolas Flamel. Der Besitzer des Steins der Weisen, welcher im ersten Harry Potter von Voldemort begehrt wird. Er arbeitete mit Dumbledore zusammen am Stein – also kein Wunder, dass er Newt und seine Freunde unterstützt, als Dumbledore ihn dazu auffordert.

Neben vielen weiteren Hinweisen auf die HP Reihe ist Nagini noch mit einer der interessantesten. Sie wird später Voldemorts treue Gefährtin und einer der Horkruxe. Ich kann mir schon denken, wie sie eine Schlange wird: Da sie ja unter einem Blutzauber leidet, wird sie irgendwann einfach eine Schlage bleiben müssen. Doch wie kommt sie zu Voldemort? Wie alt ist sie dann und wie stehen die beiden in Verbindung? Welche Rolle spielt Credence dabei? In Fankreisen wird schon heiß diskutiert und es gibt Theorien, in denen Nagini Voldemorts Mutter ist. Wer weiß …

Wir haben ja noch 3 weitere Teile, um all unsere Fragen zu klären und hoffentlich diesen doch etwas flacheren 2. Teil mit Potenzial zu etwas großartigem zu machen.

Insgesamt denke ich, dass man den Film als Übergangshandlung betrachten muss, der vielleicht später im Zusammenhang mit den folgenden Filmen besser ist, als er jetzt erscheint.  Meine größten Kritikpunkte sind allerdings, wie bereits erwähnt, die kleinen und größeren Dinge, mit denen Rowling sich widerspricht sowie die fehlenden Charakterentwicklungen.

Caroline Diekmann und Irma Weyde

Quellen:

https://www.film.tv/upload/bilder/filmshot_klein/2017/phantastische-tierwesen-2-logo-2018-thumb-960-retina.jpg